Multi-funktionale Materialien für die Wasserstoff-Technologie
Querschnitt einer asymmetrischen Matrimid-Membran auf Basis der sogenannten „Phaseninversion“
Im Bereich der Materialien für die Wasserstoff-Technologie (Wasserstoff-Gewinnung aus regenerativen Quellen oder aus Erdgas, Speicherung, Anwendung in Brennstoffzellen) sehen wir vor allem die folgenden Herausforderungen:
Die kostengünstige Massenproduktion von Wasserstoff aus regenerativen und fossilen Quellen erfordert die Entwicklung effektiver Abtrenn- und Aufbereitungsverfahren für Wasserstoff mit geringstem Energieaufwand.
Für die Wasserstoffspeicherung sind die größten Nachteile leichter Metallhydride ihre hohen Desorptionstemperaturen und ihre schlechte Reaktionskinetik, die lange Ladezeiten und ungenügende Speicherdichten mit sich bringen.
Bei den PEM-Brennstoffzellen ist die niedrige Protonenleitfähigkeit der derzeit verfügbaren Membranen bei Temperaturen zwischen 130 und 160°C und niedriger Luftfeuchtigkeit eine erhebliche Schwierigkeit; dies sind aber die Bedingungen, die für Anwendungen in Kraftfahrzeugen und viele stationäre Anwendungen vorliegen.
Um die Wasserstoff-Technologie zu etablieren, müssen zahlreiche Hindernisse überwunden werden. Damit ausreichend Wasserstoff zur Verfügung steht, brauchen wir effektive und saubere Verfahren zur Wasserstoffgewinnung. Als unmittelbare Reaktion auf diese Problemstellung haben wir unsere Aktivitäten vor allem auf drei Bereiche konzentriert:
Membranen zur Wasserstoff-Erzeugung, -Abtrennung und damit verbundene Verfahren
In diesem Bereich entwickeln wir neue und verbesserte Membranen zur Wasserstofftrennung und zur CO2-Abtrennung auf Basis polymerer Materialien (wie z. B. Matrimid) und neuer organisch-anorganischer Verbundmaterialien sowie Membranen, denen alternative Transportmechanismen zugrunde liegen. Neue Membranen auf der Basis kommerzieller Polymere werden z.B. im Rahmen der Helmholtz-Allianz MEM-BRAIN entwickelt.
Im Rahmen des EU-Projektes "Solhydromics" werden protonen- und elektronenleitende Membranen für die Generierung von Wasserstoff durch die künstliche Photosynthese untersucht. Die Protonenleitfähigkeit der Kompositmembranen, die im Rahmen des Projektes entwickelt wurden, liegt im Bereich von 10-2 bis 10-1 S/cm, und entspricht damit Werten, die für die zukünftige Solhydromics-Vorrichtung benötigt werden.
Membranen für Brennstoffzellen
Mit der Entwicklung neuartiger Membranen unterstützen wir die Etablierung von Brennstoffzellen auf Wasserstoffbasis (PEM FC, Polymer-Elektrolyt-Membran-Brennstoffzellen) als eine wettbewerbsfähige Technologie zur Energieumwandlung in Kraftfahrzeugen und mobilen Anwendungen.
Dabei entwickeln wir Membranen für PEM FC, die bei Temperaturen über 100°C und niedriger Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden können. Hier müssen vor allem Probleme mit dem Wassertransport und dem Zulaufen der Kathode mit Wasser (Flooding) gelöst werden. Daher entwickeln wir neuartige protonenleitfähige Materialien auf Polymerbasis und organisch-anorganische Verbundmaterialien (sulfonierte Polymere mit funktionalisiertem Silicium, Phosphate, neue organisch-anorganische Gerüststrukturen etc.) sowie neue Strukturschichten für Membran-Elektrode-Anordnungen.
In diesem Bereich koordiniert GKSS das in Zusammenarbeit mit drei deutschen Universitäten (Ulm, Kiel und Hamburg-Harburg), sowie den Helmholtz-Zentren DESY und FZJ betriebene virtuelle Institut "Asymmetric Structures for Polymeric Electrolyte Fuel Cell (Asymmetrische Strukturen für Polymer-Elektrolyt-Brennstoffzellen)". Die Ausbildungstätigkeit wird durch das Marie-Curie-Programm (Euromembranes) unterstützt. Die Entwicklung von neuen Membranen für die Brennstoffzelle auf der Basis von Polyoxadiazolen und Polytriazolen wird weiterhin in Kooperation mit NRC (Canada) betrieben.
Wasserstoff-Speichermaterialien
Tank zum Speichern von Wasserstoff, basierend auf 8 kg Natrium-Alanat als Speichermaterial, entwickelt und gebaut im Rahmen von GKSS im Rahmen des STORHY-Projektes
Die effektive und kompakte Speicherung von Wasserstoff spielt für die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie eine äußerst wichtige Rolle. Deshalb arbeiten wir an der Entwicklung nanokristalliner leichter Metallhydride und reaktiver Hydrid-Komposite mit hohen Kapazitäten für die reversible Speicherung von Wasserstoff, die ein schnelles Freisetzen und erneutes Beladen mit Wasserstoff ermöglichen.
Um geeignete Pulver zu vermischen und eine optimale nanokristalline Struktur zu erzielen, setzen wir das Verfahren des Hochenergie-Kugelmahlens ein. Wir untersuchen z. B. mittels spektroskopischer in-situ-Methoden die Oberflächenreaktionen von Metallen/Metallhydriden und Wasserstoff, um zu einem grundlegenden wissenschaftlichen Verständnis der Mechanismen zu gelangen, die zu einer optimierten Dissoziation, Diffusion, Aufnahme und Freisetzung von Wasserstoff führen.
Wir beschreiben die Wasserstoffreaktion bei nanokristallinen leichten Metallhydriden in Abhängigkeit von Defektdichte und Oberfläche. Darüber hinaus bewerten wir neue Reaktionen zur Freisetzung von Wasserstoff und ihre Umkehrbarkeit im Hinblick auf deren technische Anwendung. Unser Ziel ist die Entwicklung eines Tankprototyps für Metallhydride.
Unterstützt wurde und wird diese Tätigkeit von den EU-Projekten STORHY und NESSHY, von den Marie Curie Forschungs- und Trainings-Netzwerken HYTRAIN und COSY und insbesondere von der Helmholtz-Initiative „FUNCHY: Funktionale Materialien für mobile Wasserstoffspeicher“. Im Rahmen dieser Initiative arbeiten die deutschen Helmholtz-Zentren GKSS und das Forschungszentrum Karlsruhe, das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (Deutschland), die Freie Universität Amsterdam (Niederlande) und die Empa (Dübendorf, Schweiz) eng an der Optimierung verschiedener Werkstoffe zusammen. Ziel sind optimierte Wasserstoff-Speichermaterialien, die eine Wasserstoffspeicherkapazität über 5 Gew.-% sowie bei Arbeitstemperaturen unter 150°C und Umgebungsdruck eine Be- und Entladekinetik aufweisen, die für mobile Anwendungen geeignet ist.
EU Collaborative Project SOLHYDROMICS
EU project MOREPOWER: Direct (M)Ethanol Fuel Cell for Portable Applications
Weitere Informationen zu Wasserstoff-Speichermaterialien
EU Marie Curie Research Training Network COSY (GKSS koordiniert)
EU Collaborative Project FLYHY (GKSS koordiniert)
EU Integrated Project NessHy "Novel Efficient Solid Storage for H2"
Kontakt
Materialien für die Wasserstofftechnologie
Dr. Martin Dornheim
Telefon: +49 (0)4152 87-2604
Telefax: +49 (0)4152 87-2636
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